Pressestimmen
Weser Journal November 2010


Eine Serie von Andrea Gerecke
Bürgerverein Gestringen: Präsident Addi Alexis Schaefer

Addi Alexis Schaefer in seiner Wirkungsstätte, der Alten Schule von
Espelkamp-Gestringen   
 
 
                                      Foto: Andrea Gerecke


„Kultur ist Brot für die Seele" steht als Motto über dem Programm des Bürgervereins Espelkamp-Gestringen. Und damit reichlich Brot serviert werden kann, braucht es Initiatoren. Einer der ganz Aktiven ist Präsident Addi Alexis Schaefer: mit den bürgerlichen Vornamen Werner Albrecht. Aber wenn er sich am Telefon so vorstellt, dann reagieren die Leute verdutzt und glauben, sich verwählt zu haben. Ich treffe auf den rührigen Ehrenamtlichen in der Alten Schule mit dem kleinen Türmchen, das markant auf sich aufmerksam macht. Dort wohnt er mit seiner Frau und organisiert jede Menge toller Veranstaltungen.
Der gebürtige Dresdner nahm einen Umweg übers Vogtland, ehe er nach Mühlheim an der Ruhr zog. So verschlungen, wie sich die Wege seines Zuhauses gestalteten, so entwickelte sich auch sein berufliches Leben. In der Armee war er Panzergrenadier, am Hochofen hat er gearbeitet und kam über eine Begabtensonderprüfung an die Sporthochschule Köln, wo dann seine pädagogische Ausbildung startete. „Ich bin von Grund auf neugierig, das hat mich mein ganzes Leben lang begleitet und diese Maxime habe ich auch immer meinen Schülern nahe gebracht", erzählt Addi Alexis Schaefer. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen zog es ihn von Anfang an aufs Land. Und so tat er 1963 seine ersten Lehrerschritte in Gestringen. Da wirkte er als Volksschullehrer und unterrichtete querbeet alles, was gefordert war. Auch die pädagogische Laufbahn nahm einige Umwege über die Hauptschule in Benkhausen und die Sonderschule für Lernbehinderte in Espelkamp. 2002 wurde der Lehrer pensioniert.
1976 stand der Abriss der Alten Schule zur Debatte. Doch davon wollte der Mann nichts hören. Also gründete er flugs mit ehemaligen Schülern einen Verein und sie stellten einen Antrag an die Stadt. Damals gab man der Gruppe ein halbes Jahr Probezeit - sicher auch in dem Glauben, bis dahin würde alles von selbst erledigt sein. Aber weit gefehlt. Hausaufgabenhilfe, Bastelkurse, Kinder- und Jugendhilfe, Ferienspiele, Disco für die Mädchen und Jungen - das Programm gestaltete sich kunterbunt. Hinzu kam die Kleinkunstbrettlbühne, auf der inzwischen schon so mancher bekannte Künstler aufgetreten ist (in einem der zahlreichen Gästebücher hat sich sogar Franz Josef Degenhardt verewigt). „Auf unserer Kleinkunstbrettlbühne präsentieren wir Ihnen die gewohnte Mischung aus 'Noch-nie-Dagewesenen und immer-wieder-gern-Gesehenen", verspricht der Internetauftritt des Vereins. 1983 gründeten die engagierten Ehrenamtlichen Circus Krönchen und gaben damit den behinderten Bewohnern von Schloss Benkhausen ein spannendes Betätigungsfeld.
550 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Die zehn Euro Jahresbeitrag gestatten einen ermäßigten Eintritt zu den Veranstaltungen. Von dem Geld wiederum können die Künstler finanziert werden. Außerdem gehört der Stadt das Gebäude und sie bezuschusst den Verein dankenswerterweise.
Natürlich gibt es bei einer so hohen Mitgliederzahl einen harten Kern der besonders Aktiven. Dazu gehört die Ehefrau Monika Schaefer, auch eine pensionierte Lehrerin. Ingrid Ebert und Tochter Sonia Ebert sind mit von der Partie, Gerald Holzapfel, Vizepräsident Hardy Basler, Brigitte und Bernd Weers. Schließlich muss bei den Veranstaltungen alles eingerichtet, der Tresen und die Kasse besetzt und zuletzt alles wieder aufgeräumt werden. 130 bis 150 Gäste passen ins Haus, wenn die Blues Company zur Auftaktveranstaltung regelmäßig zu Jahresbeginn einlädt. Stehen Tische und Stühle, dann sind es etwa 80 Zuschauer. Immer an einem Freitag ist was los in der Alten Schule. Wenn die Gäste sich auf den Heimweg machen und sagen „War das ein schöner Abend!", dann ist das das schönste Dankeschön für die Kreativen.
Auch mein Vater hat hier noch mit 85 auf der Bühne gestanden", erzählt Addi Alexis Schaefer. „Der war Oberstudienrat, Germanist und absoluter Goethekenner. Ihm verdanke ich sehr viel. Schon früh hat er mich mit ins Theater genommen, wo ich unter anderem Gustav Gründgens und Elisabeth Flickenschild erleben durfte. Ach ja, eigentlich wäre ich schon gern Schauspieler geworden." Das müssen die Eltern dann aber anders gesehen haben... Dafür tobt sich der Mann aber seit Jahrzehnten auf den unterschiedlichsten Bühnen aus, moderiert die Nacht der Komödianten im Bürgerhaus Espelkamp und tourt durch die Landen. Seine sonore Stimme und die charismatische Ausstrahlung kommen ihm dabei zugute. Eigene Texte ruhen bislang in der Schublade und warten auf später! Gibt es ein künstlerisches Vorbild? „Karl Valentin, den verehre ich besonders", kommt es wie aus der Pistole geschossen.
Neben all der Kultur in der Region liebt der Mann das Reisen. Favorit ist Griechenland (was den Künstlernamen erklärt). Dazu kommen Singapur, Hongkong, Peking, Shanghai. Saigon steht zu Jahresbeginn 2011 auf dem Plan. „Übrigens bin ich leidenschaftlicher Briefschreiber (per Hand!). Für mich gehört das auch zur Kultur. Und ich freue mich über jeden Brief, der mich noch in dieser klassischen Form erreicht", schwärmt der Pädagoge. Übrigens fand das Wirken von Werner Albrecht Schaefer schon hohe Würdigung - 1994 in Form des Bundesverdienstkreuzes mit der Unterschrift von Richard von Weizsäcker auf der Urkunde. Da wurde dem Vater dreier Töchter gedankt für die Arbeit mit den Behinderten, für das Engagement für griechische und türkische Mitbürger, für die Tätigkeit im Kulturausschuss, für den Einsatz im Bürgerverein... Im Oktober 2009 erhielt der Bürgerverein Gestringen den Förderpreis „Leistung macht Laune" von der Interessengemeinschaft Standortförderung Kreis Minden-Lübbecke e.V. (IGS).
Wer neugierig geworden ist, der hat Gelegenheit, am 19. November in Liedern und einer Dia-Show die Schönheit Irlands zu erleben und am 3. Dezember steigt die nächste „Griechische Nacht" mit dem Rebetiko-Trio Archimedes. Beginn ist jeweils bei allen Veranstaltung 20 Uhr. 2011 verspricht auch schon allerhand von Kabarett-Abenden über Boogie-Jazz, Chansons bis zu Soulblues. Internationale Künstler geben sich die Türklinke in Gestringen in die Hand. Und da will man gar nicht glauben, dass Addi Alexis Schaefer den Ort schelmisch als Vorgestringen bezeichnet...

 

 

       1. Espelkamper Hafenfest
       1. Juni 2000 ( Himmelfahrt )

Wir waren Mitorganisator.
Es war schon eine etwas merkwürdige Idee, die Peter Dürr, Leiter des Espelkamper Bürgerhauses und ehemaliger Söderblomer einigen Mitgliedern des Rudervereins vortrug: Ein Hafenfest am "Espelkamper Hafen". An einer Stelle am Mittellandkanal , an der es eigentlich gar keinen Hafen gab. Nur eine Anlegestelle für den wöchentlichen Ausflugsdampfer im Sommer, eine Wartestelle für Frachtschiffe, die auf Lübbecker Seite entladen werden wollten. Hier ein Hafenfest? Schiffe, Meer, große weite Welt? Eine irrwitzige Idee ! - Aber, warum eigentlich nicht?!
           
Die Idee war, ein Fest für die Öffentlichkeit zu veranstalten, das sich in Inhalt und Form von den anderen Festen dieser Region unterscheiden und ganz bewußt ein Gegenpol zu den sonst üblichen Vatertagstouren bilden sollte. Es sollte für Teilnehmer und Zuschauer einen fröhlichen und verbindenden Charakter haben. Kontakt ist der erste Schritt für Bereitschaft zum Verständnis. Und Verständnis füreinander kann es in Espelkamp mit seinen unterschiedlichen Nationalitäten und Sozialgruppen nicht genug geben.

Als Organisatoren fanden sich der Bürgerhausverein Espelkamp e.V., der Bürgerverein Gestringen e.V. und der Ruderverein des Söderblom-Gymnasiums e.V., die ab September 1999 die Planungen aufnahmen. Es war klar, dass das Fest nur dann ein Erfolg werden könnte, wenn kein Eintritt erhoben und ein vielfältiges Programm mit möglichst vielen Highlights an Land und auf dem Wasser geboten werden würde. Also mussten Sponsoren, Helfer und Akteure gefunden werden.

Frühzeitig entstand die Idee der Spaßregatta. Vereine und Gruppierungen wurden aufgefordert, sich mit dem Bau eines Wasserfahrzeuges, das möglichst wenig Ähnlichkeit mit einem Schiff haben sollte, an dieser Spaßregatta zu beteiligen.
                    
Später ergab sich die Möglichkeit, als Attraktion die "Svantevit", eine 13 Meter lange Rekonstruktion eines Slawenschiffes per Schwerlasttransport aus Espelkamps Partnerstadt Torgelow zu holen. Auf diesem Schiff wurde feierlich durch die beiden Bürgermeister der beiden Städte Heinrich Vieker und Ralf Gottschalk der 10-jährigen Partnerschaft zwischen Espelkamp und Torgelow gedacht.

Eine Gemeinschaft von fünf Espelkamper Wirten gab sich Mühe, durch die Präsentation von diversen Fischspezialitäten dem Fest auch kulinarisch einen "Flair von Salz und Meer" zu geben. Manches war ein unbedingtes Muß, wie etwa die Vorführungen und Mitmachaktionen der Kanuten und Ruderer und die Präsenz von Feuerwehr, DLRG und DRK.
                               
Auch mehr Skurriles hatte im Programm Platz, wie etwa die etwas andere Bademodenschau, vorgetragen durch schwergewichtige Modells, oder das einzige Fahrrad betriebene Karussel Norddeutschlands oder die Straßenclownerien um Malte Strathmeier oder am Abend im Bootshaus die Geschichten und Balladen von Seeleuten, Meerjungfrauen, Umgeheueren und dem Klabautermann, vorgetragen und zelebriert von Addi Schaefer und Rolf Dunger.
                        
Das Fest selbst war ein toller Erfolg. Die Zuschauer strömten in Massen. Die Zeitungen schrieben von 6000 - 8000 Personen. Es könnten auch noch mehr gewesen sein, da ein ständiges Kommen und Gehen zu verzeichnen war. Die Bühne an Land war vorwiegend den musikalischen Darbietungen vorbehalten. Hier machte den Anfang die Big Band des Söderblom-Gymnasiums.
                                         
Es folgten der Shanty - Chor Lahde, das Akkordeonorchester Lübbecke, die Dixie-Rats aus Gestringen und die Popgruppe "Die Herren Minister" aus dem Altkreis Lübbecke, so dass für nahezu jeden Geschmack etwas dabei war.
            
Angefangen hatte der Tag mit einem Gottesdienst am Bootshaus, der ein klein wenig anders war, nicht nur wegen der plattdeutschen Predigt; - etwas seemännisch herber und herzlicher.

Höhepunkt war sicherlich die Spaßregatta. Zehn farbenfrohe Eigenkonstruktionen gingen an den Start. Sie mußten eine Strecke von 200 Metern aus eigener Kraft überwinden und wurden dabei von einer Jury um die beiden Bürgermeister aus Espelkamp und Torgelow nach ihrer Originalität bewertet.
                          
Obwohl es natürlich einen Sieger gab, war das Mitmachen und der Spaß doch eindeutig wichtiger, etwa als der zum Wasserfahrzeug umgebaute "Flotte Otto" schon beim Start baden ging, der "Einbaum" frühzeitig Wasser schöpfte, das "Techno-Boot" sein Steuer verlor oder die Kinder der Menonitengemeinde in ihrem "Mennokahn" Platz nahmen.
                                                   
Es würde hier den Rahmen sprengen, wollte man alle Programmpunkte und Aktionen nennen, wie die Bürgerbuslinie zur Innenstadt, die Ruderregatta zwischen den benachbarten Vereinen und Gymnasien, den pausenlosen Fahrten der "Svantevit", den unvergleichlichen Vorträgen vom Hafenlotsen Karl Stachelbeck (Circus Kröhnchen) während der Hafenrundfahrten, dem unermütlichen Einsatz der Kanuten und Ruderer der Schule, und... und... und...
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Allen beteiligten Helfern, den vielen Spendern aus dem Privat- und dem Geschäftsbereich, der Stadt Espelkamp und dem Stadtmarketingverein und allen hier nicht weiter Genannten aber doch Bedachten ein herzliches Dankeschön! Nächstes Hafenfest: 9. Mai 2002?

 

www.besucherzaehler-homepage.de/
 
 Bürgerverin Gestringen e.V.   • 32339 Espelkamp  •  Rottriede 1